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Astrologie ist, wie das Wort schon sagt, die Wissenschaft von den Gestirnen. Sie ist eine der ältesten Wissenschaften der Menschheit, galt lange Zeit als die Königin der Wissenschaften und wurde dementsprechend auch an Universitäten gelehrt. Ursprünglich waren die beiden uns heute bekannten Fachrichtungen Astrologie und Astronomie eine Einheit. Die Astronomie, der die rein mechanistische Betrachtung der Welt und des Universums zugrunde liegt, spaltete sich erst relativ spät ab. Obwohl sich die Betrachtungsweisen unterscheiden, sind die beiden Gebiete zwangsweise miteinander verflochten, denn zur Erstellung eines Horoskops braucht man sowohl astrologisches als auch astronomisches Wissen. Die Astrologie profitiert auf jeden Fall von den Erkenntnissen der Astronomie, denn um Astrologie betreiben zu können, braucht man möglichst genaues Wissen um den Sternenhimmel. Besonders die exakte Berechnung der Planetenbahnen und letztlich auch das Wissen um die Existenz von Planeten sind für die Astrologie von grundlegender Bedeutung. Falls letzteres in Ihren Ohren vielleicht etwas sonderbar klingt, will ich daran erinnern, daß das Wissen um die Existenz der Planeten jenseits des Saturn noch gar nicht so lange Eigentum der Menschheit ist. Sicher, im Moment mag es so scheinen, als ob die Astrologie von der Astronomie mehr profitieren würde als umgekehrt. Das mag, wenn man nur einen kleinen Ausschnitt betrachtet, auch richtig sein. Die Astrologie muß aber als mehr gesehen werden als nur eine andere Form der Himmelsbetrachtung. Die Ziele der Astrologie gehen über das rein mechanistische Erfassen und Berechnen von Gestirnsbewegungen hinaus. Für die alten Kulturen der Ägypter etwa war die Sternbeobachtung ein ganz wesentlicher Überlebensfaktor, wurde es doch dadurch erst möglich, den Zeitpunkt der jährlichen Hochwasser des Nil vorauszusagen. Anhand dieses Beispiels sieht man, das der ursprüngliche Zweck der Astrologie der war, die Gesetzmäßigkeiten des Himmels und der Erde in Bezug zueinander zu bringen. Das ist auch heute noch so. Die Astrologie ist in der langen Zeit seitdem gewachsen und man kann meines Erachtens ohne Übertreibung sagen, daß sich im und mit dem Wissen der Astrologie die Gesetzmäßigkeiten der Schöpfung finden lassen. Gerade der letzte Satz klingt wohl etwas großmäulig. Dies besonders angesichts der Tatsache, was uns heute oft als Astrologie verkauft wird. In jeder Tageszeitung finden Sie heute ein „Horoskop“, das Ihnen sagen will, was Sie an diesem Tag erwartet. Solche „Astrologie“ ist tatsächlich abzulehnen, denn denkt man hier nur einen Schritt weiter, kommt man zwangsläufig zu der darin enthaltenen Aussage, daß man alle Menschen dieser Welt in nur zwölf Gruppen einteilen könnte. Etwas bescheiden angesichts der Vielfalt der Schöpfung, finden Sie nicht auch? Zudem kann es nie und nimmer Aufgabe der (seriösen) Astrologie sein, Ihnen die Zukunft vorauszusagen. Es ist letztlich auch unmöglich und steht meines Erachtens im krassen Widerspruch zur Aufgabe der Astrologie, Sie auf Ihrem ureigensten persönlichen Lebensweg zu führen. Dies ist wohl auch das wichtigste Ziel seriös betriebener Astrologie. Astrologie kann dem Menschen auf seinem Entwicklungsweg zur Seite stehen, um die jeweils richtigen Entscheidungen für sich zu treffen. Dies kann sie, denn über das Horoskop lassen sich in dieses Leben eingebrachte Stärken und Schwächen erkennen. Desgleichen ist es möglich, aktuell anstehende hemmende oder fördernde Faktoren für diesen Menschen zu erkennen. Es ist weiters möglich, mit ihrer Hilfe die Beziehung zwischen Partnern genauer zu betrachten und Anregungen für das Zusammenleben zu geben. Aber bitte: Anregungen! So sehe ich das Ziel der Astrologie darin, uns zu zeigen, daß diese Welt nach Gesetzmäßigkeiten verläuft. Gesetzmäßigkeiten, die sich durchaus in der Mechanik der Astronomie oder anderer Wissenschaften ausdrücken, die aber weit darüber hinausgehen. Gesetzmäßigkeiten, die so weit reichen, daß sie unseren individuellen Lebensweg beeinflussen bzw. widerspiegeln und uns damit helfen, uns selbst und unsere Umwelt besser zu verstehen und handzuhaben. Die wohl wichtigste Möglichkeit, welche die Astrologie zu bieten hat, ist die Hilfe beim Treffen von Entscheidungen, und zwar in nahezu allen Situationen. Diese Möglichkeit bietet sie aber nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für Partner, seien das nun Ehepartner oder Partner im Beruf oder in der Gesellschaft, ja für ganze Menschengruppen, Firmen oder gar Staaten ist diese Unterstützung möglich. Ich sagte „Hilfe beim Finden von Entscheidungen“. Dies bedeutet: Astrologie hat nichts mit Determinismus zu tun, ganz im Gegenteil. Wäre es wirklich möglich, zu sagen: „An diesem Tag und zu dieser Stunde passiert Ihnen dieses, und zu jenem Tag und jener Stunde jenes“, so würde das schlicht bedeuten, daß unser Leben keinen Spielraum für die eigene Entscheidung, den so oft zitierten Freien Willen des Menschen, böte. Alles in unserem Leben wäre festgelegt und vorbestimmt. Bequem? Ja, sicher. Aber auch fürchterlich öde und frustrierend. Nun, Gott sei Dank, wir haben unseren freien Willen. Der ist zwar nicht so frei, daß wir alles tun können, an bestimmte Regeln müssen wir uns in dieser Welt schon halten. Wir bekamen durch unsere Geburt auf dieser Welt einen Rahmen für unser Leben gesetzt, innerhalb dessen wir uns bewegen können. Allerdings ist dieser Rahmen nicht starr wie ein Bilderrahmen. Besser paßt da schon das gerne verwendete Bild vom Lebensweg. Wie jeder Weg läuft auch er durch verschiedene Gegenden. Mal geht er durch den Wald, mal über freies Feld, mal sind Sie auf einer Brücke und ein anderes mal wandeln Sie einen schmalen Steig am Felsen entlang. Hier wie da müssen Sie aber den Weg gehen und sich nach seinen Gegebenheiten verhalten. Es ist nicht möglich, innerhalb eines Augenblicks fünf Kilometer weiter zu sein, und gehen Sie auf einer Brücke zu weit zur Seite, werden Sie sich im Wasser treibend wiederfinden. Was hat das jetzt mit Astrologie zu tun? Nun, ein Horoskop ist so etwas wie eine Landkarte Ihres Weges, und wer darin zu lesen versteht, weiß, was Sie im Groben erwartet. Um beim Bild zu bleiben: Man kann sehen, wenn sich Ihr Weg über einen Berggipfel hinzieht. Ein guter Kartenleser (Astrologe) wird Ihnen dann sicher empfehlen, festes Schuhwerk anzulegen und warme Kleidung mitzunehmen. Allerdings kann Ihnen selbst der beste Kartenleser nicht sagen, ob es am Berg schneien wird oder ob gerade Sie das Glück haben, ihn bei strahlendem Sonnenschein zu überqueren. Soll ein Astrologe sinnvolle Hilfestellung geben, so ist es auch notwendig, die Person zu kennen, um die es geht. Wir sollen nie aus den Augen verlieren, daß es sich beim Horoskop, um beim Bild zu bleiben, um eine Landkarte des Weges handelt. Kenne ich die Person, die sich auf diesem Weg bewegt nicht, so sind Voraussagen über das Erleben am Weg sehr schwierig. Es ist durchaus notwendig, sich darüber klar zu sein, daß die Astrologie nicht alles kann. So ist es etwa nicht möglich, aus einem Horoskop das Geschlecht des Horoskopeigners herauszulesen oder festzustellen, auf welcher gesellschaftlichen Basis dieser Mensch aufbaut. Dies macht aber sehr wohl einen Unterschied darin, wie dieser Mensch die kommenden Herausforderungen anpacken kann. Um es nochmals zusammenzufassen:
Die Astrologie kann aber nicht bestimmte Ereignisse voraussagen! Um das etwas leichter verständlich zu machen, sollten wir uns kurz mit einer anderen als der gewohnten Form zu denken beschäftigen, dem Denken in Analogien Was haben die Farbe Schwarz, Kälte, ein Knochen, hagere Gestalt und ein Beamter gemeinsam? Auf den ersten Blick wohl nicht besonders viel, zumindest nicht, wenn man diese Dinge unter dem Blickwinkel unserer vertrauten Logik betrachtet. Wechseln wir jedoch zum senkrechten Weltbild, so sehen wir, daß sie alle zu einem einzigen Prinzip gehören, das wir in der Astrologie als das Prinzip des Saturn bezeichnen. Alle angeführten Begriffe (und noch einige mehr) entsprechen diesem Prinzip und sind zu seiner Erfüllung praktisch gleichwertig austauschbar. Dies soll auch zeigen, warum definitive Aussagen anhand der Astrologie praktisch unmöglich sind: Jede Situation kann auf mehr als nur eine Art und Weise bewältigt werden. Was auf den ersten Blick wie ein Nachteil aussieht, ist in Wirklichkeit eine der Stärken der Astrologie, wenn es um die Beratung geht. Sehr oft entstehen Problemsituationen ja dadurch, daß man denkt, man hätte keine oder nur sehr begrenzte Wahlmöglichkeiten in Bezug auf die Lösung. In Wirklichkeit gibt es aber immer mehrere Möglichkeiten und über das Verständnis der Analogien ist es sehr oft möglich, Wege aus verfahrenen Situationen zu zeigen. Aus dem oben Gesagten sollte sich schon eines ableiten lassen: Der so oft aufflammende Disput, welcher Art denn die Kräfte seien, welche die Sterne oder Planeten auf den Menschen (oder anderes) ausüben, ist in dieser Form komplett unsinnig. Dies deswegen, weil dabei immer erwartet wird, diese Kräfte anhand unseres mechanistischen Denkschemas erklären zu können. Ein gutes Beispiel dafür ist, daß dann als Exempel die Gezeitenkräfte des Mondes als Rettungsanker für die Erklärung dienen sollen. Wer so argumentiert, hat die Kräfte nicht verstanden. Sie werden wohl einsehen, daß sich dieses Modell der Gezeitenkräfte auf einen Pluto nicht mehr umlegen läßt – trotzdem sind Wirkkräfte da. Wir müssen zum Verständnis dieser Zusammenhänge unser zeitlebens gelerntes lineares Kausalitätsdenken aufgeben. Es ist hier wichtig, zu erkennen, daß es in der Astrologie nicht um eine Kraft geht, die das Gestirn selbst aussendet. Auch die Zeiger der Uhr senden keine Kräfte aus, trotzdem steht jeder von ihnen für ein bestimmtes „Prinzip“ und passieren bestimmte Dinge, wenn die Zeiger bestimmte Stellungen (zueinander) einnehmen. Aber wieder zurück zum Geburtshoroskop. Wörtlich übersetzt bedeutet Horoskop soviel wie „Stundenschau“. Es ist ein Blick auf einen bestimmten Zeitpunkt im Leben eines Menschen. Die grundlegende Überlegung bei der Erstellung eines Horoskops ist die, daß bestimmte Ereignisse nur zu einer bestimmten Zeit geschehen können. In der Astrologie (und nicht nur da) sprechen wir in diesem Zusammenhang auch davon, daß eine bestimmte „Zeitqualität“ vorhanden sein muß. Falls Sie mit diesem Begriff das erste mal konfrontiert sind, ist er wohl am leichtesten über die Veränderungen in der Gesellschaft zu erklären. Das gesellschaftliche Umfeld spiegelt die Zeitqualität meist sehr deutlich wieder. Gerade wenn Sie schon einige Zeit auf dieser Welt verbracht haben, wissen Sie, daß es heute gang und gäbe ist, Dinge zu tun, die in Ihrer Jugend unter Umständen total verpönt waren - und wohl auch umgekehrt. Das Thema Zeitqualität ist eines, das dem Streit zwischen Pro und Kontra Astrologie immer neue Nahrung zu geben scheint. Meines Erachtens ist es sehr oft darauf zurückzuführen, daß sowohl die „Realisten“ als auch manche Astrologen bzw. Astrologieanhänger einer heute weit verbreiteten Unart nicht widerstehen können: Dem Denken in Einbahnen. Dieses Denken in Einbahnen ist heute so verbreitet, daß es sogar einen Namen hat: Kausalität bzw. Kausalitätsdenken. Diese Form des Denkens ist der Widerpart zum oben bereits erwähnten „Senkrechten Denken“ und wird deswegen auch oft „Horizontales Denken“ genannt. Wie immer: Die beiden Formen sollten sich ergänzen. Benutze ich nur eine davon, lasse ich zumindest die Hälfte der Realität außer Betracht. |